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Pontoniersport

Sport, Tradition und Können auf dem Wasser

Pontonier zieht im Boot am Ruder, von oben gesehen
Der Sport

Was ist Pontoniersport?

Der Pontoniersport ist ein einzigartiger Schweizer Wassersport, der auf Flüssen und Seen in der ganzen Schweiz ausgeübt wird. Rund 40 Vereine pflegen diese Tradition.

Ursprünglich war er ein Militärsport, der sich im Laufe der Jahre vom Militär abspaltete. Heute wird nur noch das benötigte Material vom Militär gestellt.

Gefahren wird mit Ruder und Stachel – von Männern und Frauen, vom Jungpontonier bis zum Senioren.

Im Boot

Das Fahrerpaar

In einem Boot oder Weidling gibt es zwei Rollen. Der Steuermann manövriert das Boot und bestimmt die Linie. Der Vorderfahrer unterstützt ihn und ist gleichzeitig der «Motor» des Teams.

Um diesen Sport auszuüben, braucht es erstaunlich wenig:

  • Ein Boot oder einen Weidling
  • Drei Ruder und drei Stachel – jeweils eines als Ersatz
  • Eine Sasse, um Wasser zu schöpfen
  • Vier Ruderstricke, um die Ruder am Boot zu befestigen

Gefahren wird in zwei Bootstypen: im Übersetzboot (9,1 m lang, 460 kg) die Aktiven ab 21 Jahren, im leichteren Weidling (9,8 m lang, 340 kg) die Jungpontoniere und die Frauen.

Einzelfahren

Der Parcours

Auf dem Wasser wird ein Parcours mit Hindernissen aufgebaut, den die Teams absolvieren müssen. Er ist je nach Ort des Wettkampfs unterschiedlich aufgebaut. Vor dem Start studieren die Teams die Wasserströmungen, um die beste Linie zu wählen. Bewertet wird mit Fehlerpunkten an den einzelnen Hindernissen, dazu kommt eine Zeitnote.

Folgende Hindernisse trifft man bei jedem Wettkampf an:

Die Ausfahrt

Ziel ist es, mit möglichst viel Schwung in den Parcours zu starten. Die beiden Fahrer geben mit dem Stachel Vollgas und zielen auf die Kunststofflatte am Ende der Ausfahrt. Wird diese berührt, erhält das Fahrerpaar die volle Punktzahl. Danach wird vom Stachel auf das Ruder gewechselt und mit voller Kraft das nächste Hindernis angesteuert.

Die Durchfahrt

Durchfahrten bestehen aus mehreren Stangen, die gerade so breit stehen, dass ein Boot hindurchfahren kann. Ziel ist es, durch die mittlere Durchfahrt zu fahren, ohne diese mit dem Boot oder dem Ruder zu berühren.

Der Pfeiler

An Brückenpfeilern oder künstlich gesetzten Pfeilern ist eine Kunststofflatte angebracht. Diese soll von der Bootsspitze berührt werden, wobei das Boot in einem 45°-Winkel zum Pfeiler stehen muss.

Die Ruderfahrt

Die Ruderfahrt verbindet einen Grossteil der Hindernisse. Häufig wird diese Strecke zeitlich gemessen und kann entscheidend sein, wenn zwei Teams die gleiche Punktzahl erreichen. Ziel ist es, mit Kraft und Präzision im perfekten Takt das nächste Ziel anzufahren.

Die Landung

Nach einer Ruderstrecke oder direkt nach einem Pfeiler ist die Landung am Flussufer markiert. Ziel ist es, mit der Bootsspitze beim Schweizerkreuz zu halten.

Die Stachelfahrt

Auch bei der Stachelfahrt wird die Zeit gestoppt. Beide Fahrer setzen den Stachel fest ins Flussbett, und auf Kommando des Steuermanns beginnt die kräftezehrende Fahrt. Wichtig ist, möglichst im Takt dem Flussufer entlang bis zur Markierung zu stacheln. Treibt das Boot zu weit hinaus oder stösst ans Ufer, gehen Schwung und Zeit verloren.

Die weiteren Disziplinen

Neben dem Einzelfahren messen sich Pontoniere und Sektionen in fünf weiteren Disziplinen.

Sektionsfahren

Mehrere Boote einer Sektion absolvieren gemeinsam einen Parcours – teils einzeln, teils alle zusammen in der Gruppe (Linien- und Stachelfahrt).

Bootsfährenbau

Ein Chef und acht Wettkämpfer spannen ein Seil über den Fluss und bauen daran ein Boot als Fähre ein. Bewertet werden Aufbau, Probefahrt und Abbau.

Einzelschnüren

Auf einem Parcours werden acht Knoten und zwei Bünde erstellt – auf Zeit und fehlerfrei.

Gruppenschnüren

Eine Gruppe baut aus Holzelementen ein vorgegebenes Objekt auf und wieder ab. Gewertet wird die Zeit für beides zusammen.

Schwimmen

Einzelwettkampf über rund 200 Meter im freien Stil, in der jüngsten Kategorie 100 Meter. Rangiert wird nach Zeit.

Zwei Pontonierboote am Ufer, die Fahrer stossen mit dem Stachel ab
Wer gegen wen

Die Kategorien

Gefahren wird nicht alle gegen alle: Der Verband teilt die Wettkämpferinnen und Wettkämpfer nach Alter in Kategorien ein. Wer mit 20 aus der Jungpontonier-Zeit herauswächst, wechselt ins Übersetzboot – und fährt weiter, oft bis ins hohe Alter.

Die Schweizermeisterschaft wird jedes Jahr als Einzelwettfahren ausgetragen; die Jungpontoniere haben ihre eigene. Der Höhepunkt ist das Eidgenössische Pontonierwettfahren, das in der Regel alle drei Jahre stattfindet. Bremgarten hat es dreimal ausgerichtet – 1939, 1979 und 2018.

Männer Frauen
bis 14 Jahre Kat. I Kat. I
15 – 17 Jahre Kat. II Kat. FII
18 – 20 Jahre Kat. III Kat. FIII
21 – 42 Jahre Kat. C Kat. F
ab 43 Jahren Kat. D Kat. F